Wir, die Arbeitnehmer/innen, ehemaligen Mitarbeiter/innen), Witwe(r)n, Angehörige von Patienten/innen, die infolge der Exposition von Asbest gestorben sind, Institutionen und staatliche Organisationen, Nichtregierungsorganisationen und akademische Unterzeichnende wollen die Aufmerksamkeit von Repräsentanten der Staaten, Vertreter von Behörden, wissenschaftlichen Institutionen und Universitäten und der öffentlichen Meinung in jedem Land auf die erheblichen gesundheitlichen Probleme, die die anhaltende Verwendung von Asbest in all seinen Formen verursacht, lenken.
Asbest, ein Silikat-Mineral in faseriger Form, dessen (mikroskopische) Fasern schwere Krankheiten mit langer Latenz (15 bis 20 Jahre ab dem Zeitpunkt der Exposition) auslösen können, ist in vielen Ländern der Welt verboten, da diese Maßnahme der einzige Weg zum Schutz der Gesundheit der Menschen ist; dies umfasst auch das Verbot der Gewinnung, Herstellung und Vermarktung von Rohasbest und dieses enthaltender Produkte.
Amphibole und Serpentin erzeugen Lungenkrebs (Bronchialkarzinom), Karzinome des Peritoneums und der Pleura (Mesotheliom, hängt ausschließlich von der Exposition von Asbest ab) und führen zu progressiver respiratorischer Insuffizienz, deaktivieren und wirken mitunter tödlich (infolge von Asbestose). Dies stellt ein schwerwiegendes Problem der öffentlichen Gesundheit dar, letztlich eine Gefahr, die mehr als 100.000 Todesfälle pro Jahr in der Welt (IAA, Jukka Takala, Konferenz in Dresden, 2005) verursacht, dies bei einer wahrscheinlich deutlichen Untererfassung der Fälle. Seine Verwendung hinterlässt eine wachsende und schmerzhafte Zahl vermeidbarer Todesfälle und Behinderungen. Das damit unnötige Leiden und die verursachten Schmerzen im Zusammenhang mit seiner Exposition sind nicht akzeptabel. Angesichts der alarmierenden Statistiken der entwickelten Länder müssen die durch Asbest verursachten Krankheiten und Todesfälle als eine der großen Epidemien der nichtübertragbaren Krankheiten in den kommenden Jahrzehnten angesehen werden.
Trotz der unbestreitbaren Fakten und des Gewichtes der verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, die die Schäden, die Serpentinen und Amphibole für das menschliche Leben verursachen, beschreiben, leugnen einige Chrysotil-Branchen das Letalitäts-Risiko und promoten deren Verkauf aus interessegeleiteten Risiko-Nutzen-Erwägungen. Dies gilt für Teile des Bergbaus, Fräsproduktbranchen und deren Waren für den Verbrauch, Marketing, Import, Export und verschiedene andere Verwendungszwecke von Asbest, die immer noch in mehreren Ländern Lateinamerikas und der Welt stattfindet, wobei Asbest letztlich auch als ein Faktor von Ungleichheit mit negativen Auswirkungen für eine gute Gesundheit gelten kann und damit letztlich ein Hindernis für die Verwirklichung der Millenniums-Entwicklungsziele darstellt.
Vor diesem Hintergrund und zugleich im Kontext eines Vorschlages von Organisationen der Zivilgesellschaft aus Brasilien und Peru vom 28. April 2009 in Erinnerung an die Asbest-Opfer sowie des Beitrittes der Abteilung für Toxikologie, Medizinische Fakultät, der Universität von Buenos Aires, Argentinien, soll die Tatsache ins Bewusstsein gehoben werden, dass es um mehr als eine Gefahr im Zusammenhang mit Arbeit geht, sondern vielmehr um ein Problem der öffentlichen Gesundheit, das Problem von Asbest letztlich auch als ein Problem im Zusammenhang mit den Menschenrechten (Charta von Buenos Aires, 2001) anzusehen ist.
Unsere Absicht ist es deshalb mit diesem Manifest
- unsere Verpflichtung auf das Verbot von Asbest in allen seinen Formen zu bekräftigen, schließlich die Anerkennung, Gesundheitsversorgung und gerechte Entschädigung für alle Opfer in unserem Land und der Welt;
- die Prävalenz von Leben und Gesundheit im Vergleich zu den erwarteten Gewinnen der wirtschaftlichen und handelspolitischen Interessen auf Kosten der Aufrechterhaltung der Gültigkeit der Verwendung von Asbest zu bekräftigen;
- unsere Position für soziale und umweltorientierte Gerechtigkeit zu bekräftigen, unter Hinweis darauf, dass "der Mensch das Recht auf ein gesundes und produktives Leben in Harmonie mit der Natur (hat)" (Erd-Charta, Rio de Janeiro 1992), und es wichtig ist, sich dem „Druck zu Gunsten von schädlichen Produkten und ungesunden Lebensbedingungen“ zu widersetzen (Siehe hierzu auch die Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung von 1986).
Wir appellieren deshalb an die zuständigen Behörden ihren Einfluss auf die gesamte Länder- und Staatengemeinschaft geltend zu machen, die beschriebenen restriktiven Standards für die Nutzung und/oder den Verkauf von Asbest durchzusetzen:
- Verfolgen Sie eine Politik des völligen Verbotes von Asbest!
- Verbessern Sie die Identifizierung, Überwachung und Aufklärung von Krankheiten im Zusammenhang mit Asbest und helfen Sie, das Recht auf Pflege und Hilfestellung im Falle von Schäden für die Betroffenen umzusetzen!
- Fördern Sie den gerechten Ausgleich für Asbestopfer für die erlittenen moralischen und wirtschaftlichen Schädigungen sowie die Beeinträchtigung von deren Gesundheit!
- Treffen Sie Vorkehrungen für die vollständige, genaue und aktuelle Information über die Risiken im Zusammenhang mit der Exposition gegenüber Asbest, und zwar für alle Arbeitnehmer/innen, unabhängig von den Regelungen ihrer jeweiligen Arbeitsverträge!
- Schaffen Sie Regelungen, die darauf abzielen, dass Umweltschäden entsprechend dem „Verursacherprinzip“ mit einer Entschädigung und einer Verpflichtung zum Wiederaufbau bzw. der Wiederherstellung ökologisch gesunder Bedingungen einhergehen!
Zugleich bekunden wir unsere Solidarität mit den Arbeitnehmern, die nicht über ausreichende und angemessene Informationen über die Risiken und die krebserregenden Komponenten von Asbestprodukten informiert sind. Für sie wollen wir unsererseits aktualisierte Informationen zur Verfügung stellen, um einen besseren Schutz für sich und ihre Familien zu gewährleisten.
Original in Spanisch
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